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Celvo Weben auf Chiloé mit Adriana

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Nahe des Hafens von Quemchi, einem kleinen Fischerdorf auf Chiloé, wohnt Adriana mit ihrer Familie. In einem Hinterzimmer einer gemütlichen, ofenbeheizten Wohnstube hat sie sich einen kleinen Arbeitsbereich geschaffen. Ein von Wellblechdach geschütztes Oberlicht erhellt ihren Webstuhl, an dem sie täglich ihre Arbeit verrichtet. An den Wänden hängt die Schafwolle, die sie vom Land gekauft hat, der Fernseher oben auf dem Schrank läuft und zeigt ein verrauschtes Nachrichtenbild. Adriana webt „Celvo“ – nach einer alten chiléotischen Tradition, die von ihrer Großmutter an ihre Mutter und schließlich an sie weitergegeben wurde. Der Webstuhl funktioniert ohne Pedale, nur mit der Hand. Die Wollfäden sind über zwei Holzrollen gespannt, in der Mitte werden sie separiert. Mit einer Holzleiste teilt sie die geraden von den ungeraden Fäden und mit einer anderen wird das Gewebte festgeschoben. Auf zwei Holzstöcken ist die Wolle aufgefädelt. Diese schiebt sie abwechselnd, fast automatisiert durch das Gespann. Diese Technik gilt als alte, langsame Webtechnik, jedoch beeindruckt Adriana mit ihrer Schnelligkeit. So stellt sie vorrangig Teppiche, Decken und Jacken her, die sie auf der Handwerksmesse in Santiago de Chile verkauft. Für eine Bettdecke erhält sie dort ungefähr 40000 Pesos – das sind 45 Euro, für 4 Stunden Arbeit. Adriana nutzt neben reiner und gefärbter Schafwolle auch Alpakawolle aus Osorno. Diese spinnt sie zunächst mit einem Holzstab, der sich „Huso“ nennt und auf eine Kartoffel aufgespießt, wie ein Kreisel gedreht wird, zu verwertbarem Faden. Seit 50 Jahren webt sie auf diese, kaum noch angewendete Art und Weise und tut dies noch immer gern. Ihr Wissen gibt sie an ihre Enkelin weiter, so dass es nicht verloren geht.

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